Die Knollengrube bei Bad Lauterberg

Etwa 5 km nördlich von Bad Lauterberg, gelegen im Bereich gerades Luttertal - Hübichental - Knollental, östlich des 687 m hohen Großen Knollen, befindet sich die ehemalige Knollengrube.

Zu den Knollengängen zählen der Hämatitgang und ein Kupfererzgang (ERMISCH 1904). Das Nebengestein besteht hier vorwiegend aus unterkarbonischen Grauwacken und Grauwackenschiefern, sowie aus oberdevonischen Kieselschiefern der Tanner Zone.

Der Roteisengang streicht 120° bis 130° und fällt 80° südwestlich bis steil ein. Er ist durch acht Stollen auf etwa 600m Länge und 180m Höhe erschlossen wirden. Die Stollensohlen weisen Vertikalabstände bis zu 50m auf.

 

© L. Markworth

Der Gang ist durch faule Ruscheln unterteilt: Die etwa west-östlich streichende, nach Süden einfallende, bis 40m breite Hauptruschel trennt das erste Mittel im Südosten von dem 2. Mittel in Nordwesten. Letztere ist im Nordwesten von einer etwa 4 m breiten Ruschelzone gegen das weniger bedeutende 3. Mittel abgegrenzt. Die Ruschelzonen bestehen aus tektonisch stark durchbewegten und beanspruchten, von Gleitflächen ( Harnischen ) durchzogenem, dunklem Schiefergestein, das in der Grube nicht standfest ist.

Der Gang ist 0,6 m bis 2m, stelten bis 4 m , im Durchschnitt etwa 1 m mächtig. Das im Jahr 1903 im Luttertalstollen angehauene 2. Mittel erreichte 1,6 m Mächtigkeit. Die Salbänder sind scharf und wiesen Harnische auf. Die von Rutschstreifen, Klüften und Schlechten durchsetzte Gangfüllung besteht aus Hämatit meist in der Form des roten Glaskopfes sowie aus blätterig-schaligem, rötlichem bis weißem Baryt, ferner aus Nebengesteinsbruchstücken ( meist Grauwacke ) und " Steinmark", einem Umwandlungsprodukt der Feldspäte in der Grauwacke. Quarz fand sich nur sproadisch; Sulfide fehlen. Calcit ist gelegentlich in Drusen beobachtet worden.

Der Kupfererzgang liegt im Nordosten des Roteisensteinganges. Bei einem Einfallen von 40° bis 50° Südwest steicht er mit 140° spitzwinklig auf diesen zu, ohne das ein Kontakt beider Gänge bekannt wäre. Er führt vor allem Quarz, ferner Baryt, Chalkopyrit, Malachit, wenig Pyrit, Hämatit in Form kleiner roter Glasköpfe und sehr selten Fluorit. Der Gang ist über 30m mächtig und bildet im Gelände ein Quarz-Reef. Er ist in den letzten Betriebsperioden der Knollengrube nach 1868 nicht abgebaut worden.

Über das Alter und die genetischen Beziehungen der beiden Gänge ist nichts näheres bekannt. In der im Fortstreichen nach Südosten nur 2 km entfernten Barytgrube Hoher Trost werden noch ältere Barytgänge von jüngerem, Baryt- und Chalkopyrit-führenden Quarzgängen durchsetzt, un der gesamten Mineralisation wird saxonisches, bzw. tertiäres Alter beigemessen. Dort fehlen Hämatit, der aber im weiteren Fortstreichen nach Südosten im 1 km entfernten Kummelglücker Gang wiederum gemeinsam mit Baryt vorkommt und bis in etwa 70 m Tiefe abgebaut worden ist. Betrachtet man diese Vorkommen als einheitlliche Gangzone, so fehlt Hämatit nur in deren Zentralbereich.

Im Roteisenstein-Gang der Knollengrube sind, ebenso wie auf den Gängen der benachbarten Baryptgrube Hoher Trost, tektonische Bewegungen im Verlaufe der hydrothermalen Mineralisation erwiesen : Der rote Glaskopf bildet feinfaserige, konzentrisch-krummschalige, traubige oder nierige, metallglänzende Aggregate sehr unterschiedlicher Größe. Ihre Oberflächen sind häufig von narbenartigen Grübchen bedeckt, denen die nächste Glaskopfgeneration aufsitzt. Ältere Glasköpfe sind häufig zertrümmert und durch jüngere, oft kleinere, neuverkittet. Auch derber, flachmuschelig bis eben brechender Hämatit sowie Baryt umschließen ältere Glasköpfe und Bruchstücke von diesen.

Hohe Transportkosten, geringe Fördermengen und das Absinken des Eisengehaltes im Roherz auf 35% machten den Betrieb unrentabel und führten 1910 zur Stilllegung. In der letzten Betriebsperiode bis 1925 förderte die Ilseder Hütte aus der Knollengrube ca 11.000 Tonnen Eisenerz.

 

©2005 Wilm-Peter Wölfl, Harzergruben.de